Völlig überraschend: Apple kennt seine Verhandlungsposition
Von Lars Grasemann | 17.Februar 2010
Wie Meedia in seiner Topstory, kehrt bei den Verlagen erste Ernüchterung in Sachen Hoffnungsträger iPad ein. Man sei mit Apples Verhandlungsposition nicht einverstanden. Allein wundern sollte es niemand. Zum Einen ist Apple ohnehin nicht für überbordende Transparenz und mangelndes Selbstbewusstsein bekannt. Zum Anderen preisen Verlage das iPad noch vor der Markteinführung als großen Hoffnungsträger der Branche. Warum sollte also Apple diese starke Verhandlungsposition nicht nutzen? Es bleibt abzuwarten, wie sich das ganze entwickelt, wenn andere Anbieter konkurrenzfähige Produkte an den Markt bringen. Für die Verlage sollte sich aber zunächst vor allem eine Frage stellen: WIE können sie die Möglichkeiten der neuen Technologien für sich nutzen? Denn wenn man selbst wertvolle und marktfähige Angebote geschaffen hat, verbessert sich automatisch die Verhandlungsposition.
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Das iPhone und meine Tochter
Von André Hellmann | 14.Februar 2010
Vater sein ist eine wunderschöne Sache. Wenn man ehrlich ist lernt man ja wirklich mehr von den Kindern als anders herum, was eine gute Sache ist. Manchmal bin ich dann aber doch einfach sprachlos, was meine nicht einmal zweijährige Tochter Maya so auf dem Kasten hat. Seit gut drei Monaten beherrscht sie das iPhone perfekt; vor ein paar Tagen kam ich endlich dazu, sie dabei mal zu filmen. Das Gerät, dass mich vor zwei Jahren noch ein wenig gefordert hat ist für ein Baby so einfach zu bedienen, dass es nicht einmal eine explizite Erklärung braucht:
Ich bin wirklich baff, wie schnell und ohne Hilfe Sie das Gerät gelernt hat. Sie nennt es “mein Telafon” und es ist auch das Telefon, wie sie es kennt. Mit ihrem Spielzeug-Telefon mit Wahlscheibe (wir hatten alle so eins) ist sie ernsthaft überfordert und zieht es maximal wie ein Hündchen hinter sich her. Wenn Sie Omi anrufen möchte geht das nur mit dem iPhone.
Sie lernt von Kindesbeinen an, dass das mobile Endgerät neben der Kommunikation auch Unterhaltung in Form von Foto und Video ist. Und bald wird sie auch lernen, dass ihr damit ein unendliches Meer an Information zur Verfügung steht, das immer verfügbar und ganz einfach mit dem Finger zu navigieren ist.
Vor allem das User Interface mit dem Touchscreen ist ein wesentlicher Punkt. Sie versteht und akzeptiert keine andere Peripherie. Schauen wir die “Sendung mit der Maus” auf dem Fernseher steht sie nach dem Maus-Clip auf und möchte durch “wischen” mit der Hand vorspulen zur nächsten Maus. Und wenn wir mal ein YouTube-Video auf dem Laptop schauen ist sie ganz frustriert, dass sie nicht per Berührung des Bildschirms das nächste Video auswählen kann.
Betrachte ich die aktuelle Debatte um das iPad kann ich nur sagen, dass dieses Endgerät wohl nicht das Verhalten unserer Generation revolutionieren wird. Aber es wird das Endgerät unserer Kinder sein. Manchmal denke ich echt, dass Apple Test-Gruppen in Kindergärten hat. Diese Generation wird keine Tastatur und Maus mehr akzeptieren. Ich berühre was ich will. Fertig.
Ich bin schon sehr gespannt, was mir meine Töchter als nächstes beibringen werden. Ich werde berichten!
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Gut gemeint, aber schlecht gemacht
Von Stephan Sperling | 10.Februar 2010
Meine Bitte: Mehr Liebe zum Detail bei Ihren Online-Aktivitäten!
Dann kann Ihnen Folgendes schon mal nicht passieren:
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Ich soll nicht antworten, aber mein Feedback ist wichtig? Haha!
Und vor allem: Wer schreibt mir da überhaupt?
Bei unseren Online-Projekten hören wir immer wieder mal den folgenden Satz:
“Das haben wir schon probiert, das funktioniert nicht!”
Auf unsere Gegenfrage “Woran lag’s?” gibt es meistens keine befriedigende Antwort.
Kleinigkeiten, wie der absolut unpassende Absender im Beispiel oben, können schnell zum “show-stopper” werden.
Bitte beherzigen Sie folgende Regeln, damit Ihre Aktionen erfolgreicher verlaufen:
- Testen Sie erstmal alles selber. Gründlich. Und im Idealfall aus der Sicht eines Kunden/Nutzers.
- Lassen Sie auch Unbeteiligte testen.
- Messen Sie den Erfolg Ihrer Aktion laufend. Wenn viele Nutzer “aussteigen” hat das meistens einen Grund. Moderne Tracking-Tools helfen Ihnen dabei, Schwachstellen zu finden.
- Optimieren Sie Ihre Aktionen laufend.
Und zu guter Letzt:
Bitten Sie ihre Nutzer um Feedback. Aber bitte nicht wie im Beispiel oben.
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10 Empfehlungen für Ihre Paid Content Strategie
Von Lars Grasemann | 26.Januar 2010
Wer denkt, eine erfolgreiche Paid Content-Strategie ließe sich mit der Errichtung einer einfachen Paywall realisieren, ist auf dem Holzweg. Allerdings halte ich auch nichts davon, Paid Content per se abzuschreiben, ohne auch nur ernsthafte Versuche unternommen zu haben. Es handelt sich um eine komplexe Herausforderung, für die bestimmte Voraussetzungen geschaffen werden müssen. Erhöhen Sie die Chancen auf Erfolg, indem Sie sich die folgenden Ratschläge zu Herzen nehmen:
1. Nutzen Sie Website-Analyse-Tools!
Nutzen Sie Website-Analyse-Tools, um ein möglichst klares Bild Ihrer Nutzer zu erhalten.
Wie oft kommen sie, wie lange bleiben sie, wieviele und welche Seiten schauen sie sich an? Das sind die Standards! Schauen Sie genauer hin: lassen sich Nutzersegmente identifizieren? Und wie verhalten sich diese? Stellen Sie die zentralen Fragen:
Wer nutzt Ihre Seite?
Wie nutzt man Ihre Seite?
Was bieten Sie an und was wird genutzt?
Wer nutzt was?
2. Machen Sie Inhalte verwertbar!
Fragen Sie sich nicht nur, wer für meine Inhalte im Internet bezahlt. Fragen Sie sich: wie müssen meine Inhalte beschaffen sein, dass jemand dafür im Internet bezahlt. Als reine Zweitverwertung aus der Printmaschinerie kann Paid Content nicht funktionieren. Monetarisierbare Inhalte müssen:
- einzigartig
- komfortabel konsumierbar
- zur rechten Zeit verfügbar sein
3. Differenzieren Sie Ihr Angebot!
Verabschieden Sie sich vom Gedanken das Geschäftsmodell „Zeitung“ im Netz zu kopieren. Sie werden es in der Regel nicht schaffen, EIN Produkt zu entwickeln, das die breite Maße zum Kauf bewegt. Schaffen Sie deshalb Nischenprodukte. Auch wenn es auf den ersten Blick nur „lousy pennies“ sind, die so verdient werden: besetzen Sie die Nischen, bevor es ein anderer tut.
4. Gehen Sie in die Tiefe!
Beim Informationsverhalten werden Informationstiefe und Informationsbreite unterschieden. Angebote, die auf Breite setzen, lassen sich i.d.R. nur über Reichweite (sprich: Werbung) monetarisieren. Deshalb: identifizieren Sie Gebiete, bei denen Sie tiefgehende Informationen zur Verfügung stellen können. Hier wird es kleine Zielgruppen geben, die aber vermutlich eine höhere Zahlungsbereitschaft aufweisen werden.
5. Schaffen Sie „Einstiegsdrogen“!
Wenn Sie überlegen, Ihre Inhalte komplett wegzuschließen, überlegen Sie es sich gut. Schaffen Sie „Appetithappen“ für neue Nutzer und entwickeln Sie Probe-Angebote mit geringen Einstiegshürden. Warum sollten Nutzer für Inhalte zahlen, wenn sie noch nicht beurteilen können, wieviel sie ihnen Wert sind?
6. Entwickeln Sie Kundenbeziehungen!
Kommen Sie online aus der passiven Rolle heraus und gestalten Sie aktiv Kundenbeziehungen! Warten Sie nicht darauf, dass aus Einmal- und Gelegenheitsnutzern treue Nutzer werden. Finden Sie stattdessen heraus, was die Gelegenheitsnutzer möchten und wie sie sich auf Ihren Seiten verhalten. Entwickeln Sie Angebote, die den Nutzer enger an Ihren Auftritt binden. Und vergessen Sie nicht, besonders treue Nutzer für ihre Treue zu belohnen. Und sei es nur mit einem einfachen “Danke”.
7. Gehen Sie dahin, wo der Nutzer sich ohnehin aufhält!
Der aktive Besuch einer Nachrichtensite ist zwar üblich, aber nur ein Umfeld, in dem sich der Nutzer bewegt. Die sozialen Netzwerke gewinnen generationsübergreifend an Bedeutung. Allein Facebook zählt in Deutschland über 11 Mio. Mitglieder! Sie haben die Wahl: warten Sie, bis der Nutzer von sich aus auf Ihre Seite kommt oder holen Sie ihn in seinem „natürlichen“ Umfeld ab. Und zwar nicht mit banalen Verkaufskampagnen sondern mit Mehrwerten!
8. Binden Sie die Nutzer ein!
Die zunehmende Demokratisierung der Nutzer zwingt vor allem klassische Medienunternehmen zum Umdenken, da ihre bisherigen Geschäftsmodelle auf 1-zu-n-Beziehungen beruhen. Interaktion bedeutet mehr als Leserbrief per E-Mail. Nehmen Sie Ihre Community ernst und binden Sie diese ein. Das fängt bei einfachen Kommentarfunktionen an und kann bis zu Treffen der aktivsten Nutzer mit der Chefredaktion gehen.
9. Inhalte mit Format kommen besser an.
Passen Sie Ihre Inhalte der Mediennutzung Ihrer Kunden an. Letztlich ist der Information egal, auf welchem Weg sie den Nutzer erreicht. Verschiedene Nutzer haben verschiedene Präferenzen. Dabei ist die gedruckte Zeitung nur ein Weg von vielen. Nur, wenn Ihre Inhalte auf möglichst vielen Wegen verfügbar sind, behalten Sie die Relevanz.
10. Passen Sie Ihre Organisation an!
Erfolgreiches „Paid Content“ basiert auf Diversifizierung in vielen Bereichen. Das erfordert zwingend eine Anpassung der Organisation. Damit ist nicht die allgemeine Beantwortung der Frage „integrierter Newsroom oder autarke Online-Redaktion“ gemeint. Schauen Sie sich an, wie die Prozesse in ihrem Haus am geschickt und moderat angepasst werden können. Und halten Sie sie flexibel. Die Anpassung darf nicht einmalig, sie muss kontinuierlich erfolgen.
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In 5 Tagen zur neuen Website?
Von Stephan Sperling | 11.Januar 2010
Wie Sie vielleicht wissen, wird relevantmedianow.com von den Mitarbeitern der zelect GmbH geschrieben. Die etwas ruhigeren Tage zwischen den Jahren haben wir dazu genutzt, für die zelect GmbH eine neue Web-Präsenz zu bauen: www.zelect.de. Dabei haben wir voll und ganz auf das freie Content-Management-System „Wordpress“ gesetzt, über das wir hier an dieser Stelle übrigens auch bloggen.
In vielen unserer Beratungsprojekte treffen wir auf die folgende Meinung:
„Internetseiten sind viel zu teuer und aufwändig. Mit den Systemen kennt sich dann niemand aus und jede kleine Änderung verschlingt Unsummen.“
Mit der neuen www.zelect.de haben wir versucht, einen Gegenbeweis anzutreten:
Alles, was Sie auf der Seite sehen, besteht aus Wordpress und kostenlosen Wordpress-Komponenten.
Zu den Kosten sowie den einzelnen Komponenten:
- Hosting: Bei Hosteurope für rund 6 Euro pro Monat
- Setup des Systems: insgesamt ca. 5 Manntage. Dazu braucht es aber keine Entwickler sondern lediglich Menschen mit internet-technischem Grundverständnis
- Design: Wir haben uns für ein besonders flexibles Theme („Atahualpa 3.4.4“) entschieden, zudem arbeitet die Website mit diversen Plugins
- Plugins: Category Posts Widget, FD Feedburner Plugin, Frontpage-Slideshow, Google Analyticator, Google XML Sitemaps, MM Forms, Newsletter, Post Filters, Sponsors Slideshow Widget, Twitter Widget, Widget Logic.
Unsere neue Internetseite arbeitet teilweise automatisiert, z.B. beim Thema Twitter & RSS. Gleichzeitig war es uns wichtig, dass jeder Mitarbeiter schnell und einfach die Seite anpassen und aktualisieren kann. Über die Tools „Mail2Post“ kann die Internetseite zum Beispiel per E-Mail aktualisiert werden, die App „Wordpress2Go“ haben wir alle zudem auf unseren Mobiltelefonen. Denn eines ist sicher:
www.zelect.de ist nicht perfekt und „fertig“ – das wird die Seite nie sein und das muss sie auch nicht. Wir werden die Seite laufend ausbauen, verbessern und umgestalten.
Was in unseren Augen eine gute Internetseite ausmacht:
- Aktualität: Die Besucher müssen regelmäßig Neues finden, im Idealfall bei jedem Besuch
- Flexibilität: Die Seite muss sich wandeln und entwickeln können. Gerne lassen wir das Feedback unserer Nutzer und Leser einfließen. Und gerne probieren wir einfach neue Tools und Möglichkeiten aus. Was den Nutzern gefällt und einen Mehrwert bietet bleibt, der Rest fliegt wieder raus.
- Minimaler Aufwand, optimales Ergebnis: Dabei ist vor allem auch der interne (Abstimmungs-) Aufwand zu berücksichtigen. Das Konzept der neuen Seite ist beispielsweise direkt in Wordpress entstanden. Mit wenigen Klicks konnten Seiten und Inhalte verschoben, verändert und umgestaltet werden – die Ergebnisse waren sofort sichtbar und direkt „live“ diskutierbar.
- Mut zur Lücke: Warum Monate lang im stillen Kämmerlein an irgendetwas basteln, was dann im schlimmsten Fall den Nutzern nicht gefällt? Lieber in einem frühen (aber funktionsfähigen Stadium) online gehen und eine Seite dann auch mit dem Feedback ihrer Nutzer weiter entwickeln.
Nahezu unbegrenzte Möglichkeiten
Besonders gut an Wordpress gefällt uns, dass Seiten mit unterschiedlichen Ansprüchen und Ausmaßen problemlos realisiert werden können. Bei komplexeren Seiten (komplette Websites, Zielgruppenportale etc.) ist es sicherlich hilfreich, auf das Knowhow von Designern und Wordpress-Spezialisten zurückzugreifen. Landingpages für Ihre Adwords-Kampagnen oder Aktions-Websites für Ihre Anzeigenkunden können Sie nach erstmaliger Erstellung immer wieder eigenständig verändern, anpassen und verwenden – direkt, unmittelbar, mit geringem personellen Aufwand und ohne sonstige Kosten!
Und wie gefällt Ihnen die neue www.zelect.de? Was können wir besser machen? Sagen Sie uns Ihre Meinung!
Schlagwörter: , Wordpress, zelect | Kommentieren
Medien. Krise vs. Katastrophe
Von André Hellmann | 7.Januar 2010
Ich kann leider das Wort Krise nicht mehr hören. In keinem Zusammenhang und schon gar nicht mehr im Zusammenhang mit “Medien”. Die “Medien-Krise”. Die “Zeitungs-Krise”. Die “Print-Krise”. Man ersetze die Mediengattung bitte einfach durch ein beliebiges Wort und schon ist eine ganze Branche davon betroffen.
Irgendwas hatte ich immer ein komisches Bauchgefühl wenn das Wort Krise auf Medien traf. Wirtschafts-Krise; ok. Das hatten wir schon öfter. Aber Medien-Krise? Das ist nun doch neu. 2000 gab es mal die Internet-Krise. Aber das war spezieller und eher “blasenartig”.
Naja, lange Rede, kurzer Sinn: Heute hab ich dann mal geschaut, was es so für Definitionen für Krise gibt. Und auf einmal sah ich schwarz auf weiß, was mich an “Medien-Krise” störte: Eine Krise ist von einem Wendepunkt gekennzeichnet! Alle Referenzen definieren eine Krise daran, dass eine Situation schlechter und dann wieder besser wird. Quasi von ganz alleine. Daher macht für mich eine Wirtschaftskrise z.B. wieder Sinn. Das betroffene System ist so groß, dass es sich quasi auch wieder selbst fangen kann. Menschen konsumieren. Wirtschaft heilt.
Aber in den Medien? Ich sehe keinen Wendepunkt, der von ganz alleine kommt. Mediennutzungsverhalten: neu geordnet. Medienpräferenzen: neue Ordnung. Werbeverhalten national: neu neu neu. Werbeverhalten lokal: verändert sich. Nein. In den Medien kann man unter dieser Definition nicht von einer Krise sprechen. Sorry.
Also hab ich weiter gesucht. Was beschreibt denn den Zustand der nordamerikanischen und westeuropäischen Medien am besten? Hm. Wikipedia hat da eine Idee:
Nimmt die Entwicklung einen dauerhaft negativen Verlauf, so spricht man von einer Katastrophe (wörtlich in etwa „Niedergang“).
Uff. Harter Tobak. Befinden wir uns tatsächlich in einer medialen Katastrophe? Dem Niedergang der Medienlandschaft? Gibt sicher ein paar Befürworter und die aktuelle DSDS-Diskussion deutet schwer darauf hin.
Von einer Katastrophe würde ich nur vereinzelt sprechen. In Regionen mit einer dramatisch negativen Bevölkerungsentwicklung oder in Unternehmen, in denen das Management denkt, man könne das Internet “aussitzen”.
Insgesamt sage ich mal im Beraterdeutsch lieber “Medien-Wandel” im Sinne von Veränderung.
Oder “Medien-Reform”:
…bezeichnet in der Politik eine größere, planvolle und gewaltlose Umgestaltung bestehender Verhältnisse und Systeme.
Gefällt mir, weil es proaktiv ist; man “gestaltet um” und zwar bewusst, gewollt, planvoll!
Oder der “Medien-Umbruch”
Wikipedia: Allgemein gesprochen bedeutet ein Umbruch eine plötzliche Änderung eines bis dahin kontinuierlich verlaufenden Vorgangs.
Bei Umbruch gefällt mir besonders gut die Zweideutigkeit; schießlich hat damit alles begonnen.
Über eine Diskussion dazu würde ich mich freuen!
NACHTRAG: Gerade im turi2 (07. Januar 2010) gelesen:
Medienmarkt wird sich in diesem Jahr nicht richtig erholen, Anzeigen in Printprodukten erreichen die Werte vor der Krise nicht mehr, ergibt eine “Horizont”-Umfrage unter 17 Entscheidern aus Medien, Agenturen und Unternehmen.
horizont.net
Freue mich ja prinzipiell, wenn ich Recht habe. Kein Wendepunkt; keine Krise. Aber bitte bitte liebe Manager hört auf darauf zu hoffen, dass sich irgendwas erholt. Das Thema “Erholung” sollte nun echt durch sein.
Schlagwörter: , tageszeitungen, Verlage, Zukunft | Kommentieren
In eigener Sache: Mitstreiter gesucht
Von Lars Grasemann | 5.Januar 2010
Heute kommentieren wir an dieser Stelle ausnahmsweise einmal nicht das aktuelle Geschehen in der Medienwelt. Heute starten wir einen Aufruf. Denn die zelect GmbH hat 2010 viel vor und sucht daher leidenschaftliche Mitstreiter, und zwar schon kurzfristig.
Wer also in einem kleinen, kommunikativen Team aktiv etwas bewegen möchte, ist herzlich eingeladen sich sich zu bewerben als
Alle Infos zu den Jobs unter http://www.zelect.de/unternehmen/jobs/
Wir freuen uns auf zahlreiche Bewerbungen!
Schlagwörter: , Bewerbungen, Community-Marketing-Manager (m/w), Jobs, Projekt-Manager (m/w), zelect GmbH | Kommentieren
Google und die lokalen Märkte
Von André Hellmann | 20.Dezember 2009
Google’s Taktfrequenz zum Jahresausgang ist unglaublich. Kaum ein Tag vergeht ohne lesenswerte Meldung aus Moutain View, CA. Nun scheint der Suchgigant die lokalen Märkte noch mehr in den Fokus seiner Strategie zu nehmen. Verständlich, da diese das größte Umsatzpotential für neue Werbegelder verheißen. Allerdings fehlt Google nach wie vor das richtige Produkt für das Marktsegment. AdWords macht mehr Sinn wenn eine direkte Wertschöpfung oder ein konkreter Anlass hinter der Kampagne steht. Und das lokale Business-Center ist derzeit kostenlos.
Mit Yelp! (einem lokalen Online-Branchenverzeichnis) könnte Google nun diese Produktlücke im Portfolio schließen und hätte schöne Lösungen für jeden Abschnitt im Kunden-Lebenszyklus. Von der Einsteiger-Web-Visitenkarte auf Yelp! mit Zusatzfunktionen wie Empfehlungsmarketing, Bewertung und Kritiken bis hin zu Performance-basierten Text- und Display-Werbemitteln. Und Google scheint in ernsthaften Verhandlungen zu stehen mit dem Unternehmen.
Stellen Sie sich einfach vor, dass Google die gleiche Strategie für Deutschland sieht und Qype kauft (wenn Sie Qype nicht kennen bitte ich Sie, diese Wissenslücke schnell zu schließen: http://www.qype.com und http://de.wikipedia.org/wiki/Qype). Damit hätte das Unternehmen sicherlich auch bereits eine relevante Masse an Informationen und Kontakten in Ihrem Markt. Und gute Chancen, diese bestehenden Beziehungen über seine verschiedenen Werbe-Angebote auszubauen.
2010 wird es essentiell sein, dass Sie Ihren lokalen Markt prägen was Online-Marketing angeht. Dass Sie Ihren Kunden auch Ihren Stempel aufdrücken und Kompetenz beweisen. Sonst suchen Ihre Kunden Online-Marketing-Lösungen anderswo. Und wieder in den Markt einzusteigen bedeutet mehr Kraftanstrengung und weniger Marge.
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Online-Strategien: Bitte beschäftigen Sie sich hiermit!
Von André Hellmann | 16.Dezember 2009
Nach einer kurzen Verschnaufpause zwischen den Jahren wird 2010 ein weiteres, spannendes Jahr für die Medienbranche. Jede Gattung wird sich wachsenden Herausforderungen in jedem Segment stellen und der Markt wird enger und einige Unternehmen und Marken verdrängen. Als Berater und Partner von Medienunternehmen machen wir uns natürlich auch darüber Gedanken; schließlich wird dadurch auch unser Markt kleiner und unsere Verantwortung in den Projekten größer.
Daher lassen uns diese Themen nicht mehr los:
1. Online-Vermarktung: Was brauchen Ihre Kunden?
Treten Sie einen Schritt zurück und überlegen Sie sich genau, was denn gerade die Themen Ihrer Werbekunden sind. Womit beschäftigen sich die lokalen Händler und Branchen? Was sind ihre Herausforderungen im lokalen Markt und im Internet? Mir wurde erst ein paar Wochen nach meiner USA-Reise wirklich bewusst, warum die Unternehmen dort erfolgreich sind: Weil sie Lösungen zu Themen anbieten, die den regionalen Markt gerade beschäftigen!
Während der durchschnittliche deutsche Regionalverlag im Internet Display-Werbung in den verschiedensten Formaten und Abrechnungs-Formen anbietet sind die Themen, mit denen sich die Werbekunden wirklich beschäftigen Folgende: Homepage, Online-Shop, Google. Das sehe ich immer wieder bei Veranstaltungen mit regionalen Werbekunden, die mich nach 30 Minuten Online-Marketing-Überblick nur über diese drei Themen ausfragen.
In Deutschland gehen wir nicht auf diese Nachfrage ein und versuchen lieber die Werbekunden doch von Online-Bannern zu überzeugen. Die US-Verlage bieten genau für diese Probleme Lösungen an und… sind erfolgreich.
2. Kunden-Struktur: Wem kann man was verkaufen?
Segmentieren Sie Ihre Kunden in drei Gruppen, wenn es um Online-Werbung geht: Überzeugungskunden, Aktivierungskunden und Entwicklungskunden.
Überzeugungskunden werden Sie wahrscheinlich nicht einmal zu Online-Marketing zwingen können; sie wünschen sich, dass das Internet einfach vorbeigeht. Ergo: Verschwenden Sie nicht Ihre Zeit mit ihnen! Auch wenn die Budgets noch so groß sein könnten; warten sie auf einen Führungs- oder Generationen-Wechsel.
Aktivierungskunden beschäftigen sich schon mit Online-Marketing ohne jedoch bisher überhaupt oder strategisch aktiv geworden zu sein. Manche haben sich vielleicht schon einmal an AdWords die Finger verbrannt oder haben eine Abmahnung für ihren Shop bekommen. Insgesamt ist aber Interesse und Bereitschaft da, aber die Richtung fehlt Ihnen. Setzen Sie hier z.B. mit Workshops und Seminaren an. Laden Sie ein zum Online-Frühstück mit Impuls-Vortrag. Prägen Sie die Denkweise dieser Kunden, wenn es um Online-Marketing geht. Zum einen können sie mit ihnen sicherlich kleine bis mittlere Abschlüsse für zeitlich begrenzte Kampagnen machen (bis EUR 2.500,00); zum anderen werden sie sich weiter entwickeln und der Bedarf für Ihre Lösungen wachsen.
Entwicklungskunden sind bereits sehr aktiv im Internet. Erfahrungsgemäß handelt es sich vor allem um Immobilien-Makler, Autohäuser und Banken, bei denen das Internet bereits zur Vertriebs- und Service-Strategie fest dazugehört. Hier muss ein Fachmann ran, der die Branchen und die Marketing-Prozesse kennt, konkrete und komplexe Fragen beantworten kann sowie kreative Lösungen für die Kunden entwickelt. Dann klappt es auch mit diesem anspruchsvollen und kompetenten Kunden.
Die Normalverteilung ist ungefähr so:
Sie sind sich unsicher, ob sich das bei Ihnen so verhält? Fragen Sie nach: Machen Sie mit einer Hochschule eine Kundenbefragung per Brief oder Online. Geben Sie Ihrem Außendienst einen kurzen, strukturierten Fragebogen mit oder machen sie ein paar Stichproben-Anrufe. Sie werden sehen, dass es sich grob so verhält und die oben genannten grob die Themen sind, die bei den meisten im Kopf herum spuken.
3. Angebots-Portfolio: Service vs. Produkte
Wohin geht das Geld, das nicht mehr für Print-Werbung ausgegeben wird? Nicht in Banner-Werbung, das können wir mit Sicherheit sagen. Doch wohl eher in Dienstleistungen wie Agenturleistungen für eine Homepage, Suchmaschinen-Optimierung und -Marketing, soziale Netzwerke oder eCommerce-Aktivitäten. Viele lokalen Händler starten Aktivitäten auf ebay, Amazon; suchen Kunden über Qype oder Tradoria.
Wenn da Ihr Geld hingeht, warum sind sie dann nicht dort? Bauen sie ein Marketing-Service-Team auf! Es ist immer einfach eine Nachfrage zu befriedigen als Nachfrage für ein Produkt zu wecken. Zumindest liegt der Erfolg näher und ist schneller zu erreichen. Dazu müssen Sie übrigens nicht alles selbst machen; schauen Sie einmal, ob es nicht auch bei Ihnen eine junge Online-Agentur gibt, mit denen sie eine Partnerschaft eingehen können. Die freuen sich!
4. Paid Content: Was sind meine Inhalte im Internet wert?
Keine Diskussion wird im Augenblick öffentlicher geführt und ich wüsste gar nicht, wo ich anfangen sollte zu verlinken. So viele gute Artikel gibt es zu dem Thema auf den verschiedensten Plattformen. Und so viele verschiedene Strategien gibt es dazu. Richtig gut finde ich dazu aber die Meinung von Steve Yelvington von Morris Communications aus Augusta in den USA. Er betrachtet die monatlichen Nutzer seiner Website in einer Kurve aus Unique Usern und Visits. Die Kurve stellt dabei ein”U” dar; viele Nutzer kommen also nur ein bis zwei Mal im Monat. Und sehr viele kommen einige Male; also mehrmals wöchentlich oder sogar täglich.
Dann schaut er sich an, was genau diese Menschen auf seiner Seite machen und siehe da; sich schauen sich ganz oft das gleiche an. Egal ob Sport, Wirtschaft, Lokales oder Kleinanzeigen: Für diese Menschen hat ein kleiner Teil der Inhalte ein besonders großer Wert. Und hier fängt er an mit der Monetarisierung: Bei den Stammnutzern, die die persönlich wertvollsten Informationen gefunden haben. Und nicht bei den zufälligen Besuchern, die sich bei einem flüchtigen Besuch nicht zu einer Zahlung bewegen lassen werden. Diese will er über andere Angebote langsam zu Stammnutzern entwickeln. Ich finde, dass ist die beste Strategie, die ich bisher gehört habe.
So oder so müssen Sie eine Lösung für das Thema für Ihr Unternehmen finden. Ich verspreche Ihnen, das wird das dominierende Thema 2010 und es wird in 2010 auch keine Antwort gefunden werden. Ich kann nur hoffen, dass genug Verlage anfangen, Maßnahmen zu testen und zu die Ergbnisse zu kommunizieren, damit wir hier einen Schritt weiter kommen.
5. Mobile: Wie finde ich auf dem Handy statt?
Das ist die schwerste Disziplin und auch die größte Herausforderung: Während wir noch mit dem Internet im Klinch liegen kommt schon der nächste Markt. Und wir müssen uns damit beschäftigen, während wir noch den anderen zu verstehen versuchen. Es geht leider nicht anders; die Dynamik hat die Medienmärkte erreicht und man muss mehr als ein Thema auf einmal beherrschen können.
Mobile ist deswegen so wichtig und akut, da es sich rasend schnell entwickelt. Und dieser Markt nicht ohne uns abfahren darf. Sonst sind wir wieder Huckepack auf dem Rücken eines anderen, der den Bärenanteil der Erlöse verschlingt. Sie müssen ja nicht unbedingt das große Programm auffahren. Aber Ihre Marke sollte schnell auf einem mobilen Endgerät stattfinden, damit sie dort nicht in Vergessenheit gerade. Denn die iPhones dieser Welt füllen sich schnell mit Apps und der Wettbewerb um den Fingerdruck wird wachsen.
6. Social Media: Wer hört uns eigentlich zu?
Social Media ist ein zeitloses Thema. Und es findet bereits um Sie herum statt. Sie müssen sich nur noch einklinken. Klar, sie werden davon nicht morgen mehr Geld in der Kasse haben. Social Media ist schwer zu monetarisieren, sogar für die Plattform-Betreiber. Aber die kommen in direkten Dialog mit Ihren Kunden. Fragen Sie mal einen Promoter vom Marktplatz, wie schwer es ist, einen Menschen dazu zu bewegen, sich mit ihm zu Unterhalten. In den Netzwerken sind die Menschen genau aus diesem Grund. Vielleicht wollen sie nicht gleich über ein Probeabo oder Kleinanzeige sprechen. Aber sie sind generell gesprächsbereit.
Sehen Sie Social Media wie einen Marktplatz, auf dem man sich trifft, austausche, Neues erfährt und Informationen weiter gibt. Auf dem man aber zwischendurch auch einmal etwas kauft. Und diese Chance gilt es zu nutzen.
Ein anderer Aspekt ist wie in den frühen Tagen des Internets das Sichern von Adressen. Auch wenn Sie nicht in absehbarer Zeit planen, auf facebook, Twitter und Co. aktiv zu werden, sichern Sie sich alle relevanten Accounts mit Ihrem Namen. Sie ärgern sich sonst später einmal, wenn Sie einem Broker Geld für etwas zahlen müssen, das mal kostenlos zu haben war.
7. Personal: Wen habe ich, wen brauche ich?
Vor kurzem bekam ich eine Mail von einem Geschäftspartner mit dieser Aussage:
Wir arbeiten in Strukturen von gestern mit Methoden von heute an Problemen von morgen vorwiegend mit Menschen, die Strukturen von gestern gebaut haben und das Morgen nicht mehr erleben werden.
Machen Sie eine Bestandsaufnahme der Fähigkeiten der Menschen, die Ihr Unternehmen die nächsten zehn Jahre tragen müssen. Stellen Sie Loyalität, Flexibilität sowie Lernbereitschaft und -fähigkeit in den Vordergrund. Beherrschen Ihre Schlüssel-Figuren diese Disziplinen?
Fragen Sie sich weiterhin: Erhalte ich die besten Bewerbungen aus der Region? Bewerben sich wirklich die A-Schüler und A-Studenten um offene Ausbildungsplätze und Traineeprogramme? Ich bin mir da sehr unsicher. Das meiste, was ich bei Kunden sehe sind B- und C-Klasse. Die Besten gehen in die Großstadt oder zu lokalen Banken und Industrie. Wenn wir diese langfristige Ebene nicht in den Griff bekommen, wie soll sich denn dann jemals was wirklich verändern?
Wie sehen Sie es für Ihr Haus? Stimmen diese Themen für Sie? Haben Sie weitere Themen auf dem Programm? Sind wir auf einer falschen Fährte? Ich bin sehr gespannt auf Meinungen von Kunden und Kollegen!
In jedem Fall wünsche ich frohe Weihnachten und einen guten Rutsch in ein spannendes neues Medienjahr!
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Paid Content Diskussion: Mehr Tiefgang bitte!
Von Lars Grasemann | 9.Dezember 2009
Klartext, Beispiele und Ausblicke zur aktuellen Paid Content Diskussion.
Die Fronten scheinen verhärtet. So argumentieren zahlreiche Verlagsmanager für „Qualitätsinhalte“, die es dem Nutzer wert sein sollten, dafür zu bezahlen. Dem entgegnen Vertreter der digitalen Wirtschaft gerne, dass die Inhalte im Netz sowieso frei verfügbar seien und die Einführung von Paywalls eine schleichende Selbstzerstörung darstelle. Mit diesen Argumenten diskutieren die Parteien meiner Meinung nach allerdings aneinander vorbei.
So bleibt die Diskussion an der Oberfläche und lässt wesentliche Faktoren außer Acht. Es machen sich nur wenige die Mühe, die Art des Inhalts sowie das dahinterstehende Nutzerinteresse genauer zu beleuchten. Außerdem spielen inhaltliche Qualitätsfaktoren wie z.B. Aktualität, Hintergründigkeit der Recherche oder Pointierung in der Schreibe in der Diskussion nur eine Nebenrolle. Dabei definiert und gewichtet jeder Nutzer diese Qualitätsfaktoren – bewusst oder unbewusst – individuell für sich selbst. Entscheidend hierfür ist vor allem das (situationsabhängige) Informationsmotiv. Möchte er sich einen generellen Überblick verschaffen, verhält er sich anders als bei der Recherche einer Hintergrundinformation. Diese unterschiedlichen Motive verlangen nach unterschiedlichen Angeboten. So definiert der Nutzer, was für ihn ein “Qualitätsinhalt” ist und nicht dessen Anbieter.
Um einen Anhaltspunkt für die Ausgestaltung von Bezahlmodellen zu liefern, bedienen wir uns zweier Dimensionen: die Themenbreite auf der einen und die Informationstiefe auf der anderen Seite. Eine geringe Themenbreite mit hoher Informationstiefe finden wir z.B. bei Fachzeitschriften oder Special Interest Magazinen. Eine große Themenbreite bei recht geringer Informationstiefe hingegen z.B. bei Nachrichtenformaten im Fernsehen. Die klassische Tageszeitung bedient als Produkt beide Dimensionen in mittlerer Ausprägung. Damit ist die Zeitung als Orientierungs-Medium positioniert, das einen Überblick gibt und an wichtigen Stellen ein Stück weit in die Tiefe vordringt.
Für die Online-Content-Strategie der Verlage ergeben sich daraus zwei Handlungsoptionen: entweder noch stärker in die Breite gehen und hier vor allem auf Aktualität setzen oder noch tiefergehende Informationen bieten. Die Option „Aktualität“ lässt sich allerdings fast ausschließlich durch Werbung monetarisieren, da in diesem Bereich eine große Konkurrenz von anderen kostenlosen Anbietern besteht und die Inhalte wenig einzigartig sind. Größere Chancen für die Einführung von Bezahlangeboten bietet die Option der tiefergehenden Information. Hier liegt der Schlüssel zum Erfolg in der Relevanz für den Nutzer und seiner daraus abgeleiteten Zahlungsbereitschaft. Beides lässt sich jedoch nicht in der „Glaskugel“ lesen. Wirklich valide Aussagen erhalte ich nur, wenn ich entsprechende Angebote platziere und aus deren Erfolg/Misserfolg lerne.
Doch was bedeutet dies für die digitalen Content-Strategien der Verlage? Es folgen vier Empfehlungen:
- Ermitteln Sie die Interessen der Nutzer! Starten Sie den Dialog mit Ihren Kunden. Nutzen Sie digitale Hilfsmittel um mehr über Ihre Nutzerschaft zu erfahren. Identifizieren Sie die Interessen und bilden Sie Segmente. Lösen Sie sich dabei einmal vom Denken in den klassischen Ressorts.
- Schaffen Sie konkrete Angebote! Auch die beste Marktforschung wird unbefriedigende Aussagen über die Zahlungsbereitschaft der Nutzer zutage bringen. Dafür sind Fragen wie „wären sie bereit für die Leistung xy etwas zu bezahlen“ oder „wie viel ist ihnen der Inhalt xy wert“ viel zu hypothetisch. Nur am lebenden Objekt können Sie hier echte Erfahrungen sammeln.
- Lassen Sie den Nutzer entscheiden! Ein Megatrend des Internets ist die Demokratisierung der Nutzerschaft. Nutzer sind es mehr und mehr gewöhnt, sich individuelle Pakete/Angebote/Leistungen zusammenzustellen. Daher werden Sie künftig nicht mit dem einen Angebot Erfolg haben. Schaffen Sie dem Nutzer die Möglichkeit genau für die Inhalte (oder Services) zu bezahlen, die es ihm wert sind.
- Beweisen Sie langen Atem! Das Scheitern der ersten „Paid Content Welle“ ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Verlage bereits kurzfristige Schlüsse aus den scheinbaren Misserfolgen gezogen haben. Jedoch war der Markt damals noch nicht soweit und ist es auch heute in großen Teilen nicht. Für die meisten Menschen ist es (noch) ungewohnt, im Netz für Inhalte zu bezahlen. Aber vor wenigen Jahren wirkte auch die Vorstellung für Musik-Downloads zu bezahlen ziemlich exotisch. In der Zwischenzeit haben itunes, Musicload, Amazon und co. mit dafür gesorgt, dass die Napsters und eDonkeys dieser Welt nur noch eine Nebenrolle spielen.
Ergo: bei der Entwicklung erfolgreicher Paid Content-Strategien geht es in erster Linie nicht um rechtliche Forderungen (Stichwort: Leistungsschutzrecht) oder den Aufbau technischer Barrieren, sondern um einen stärkeren Dialog mit dem Nutzer und die Entwicklung neuer Produkte und Angebote. Allerdings erfordert dies ein Umdenken in einer Welt, in der man über Jahrzehnte ein Geschäftsmodell mit einem Produkt erfolgreich betrieben hat. Aber es gibt erste Vorreiter, die diese “neue Denke” anscheinend verinnerlicht haben. So wurde gestern bekannt, dass Axel Springer Freemium-Modelle für die Web-Portale von Hamburger Abendblatt und die Berliner Morgenpost einführt. Dazu kostenpflichtige mobile Applikationen für Bild und WELT, die bestimmte Kundengruppen bedienen sollen. Nach eigenen Angaben sind diese Vorstöße mehr als Tests denn als ultimative Heilsbringer zu verstehen. Aber genau darum geht es: lieber durch aktives Handeln wertvolle Erfahrungen sammeln als Energie durch dauerndes Lamentieren zu vergeuden.
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