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Von Stephan Sperling | 30.April 2008
(SSp) – Die Angst geht um bei den Tageszeitungen. Die Probleme der Branche sind ein echtes Top-Thema in diesen Tagen. Nach den vielen Schlagzeilen der vergangenen Wochen (siehe auch hier im Blog) beschäftigt sich heute auch die FTD mit den “Sorgen der Zeitungsverleger” – und kommt zu einem durchaus optimistischen Ergebnis:
“Dabei hat die gedruckte Zeitung hierzulande durchaus Zukunft.”
Und so verspricht das Dossier auch “Strategien für den Leserschwund” – wobei ich echte, nachhaltige Strategien dann doch nicht finden konnte. Dafür noch ein paar interessante Aussagen – die ich sofort unterschreiben würde:
“Die Suche nach diesen (neuen, guten) Konzepten gerät ziemlich hektisch. Die Zeitungshäuser drängen ins Internet, kaufen Titel zu oder dehnen ihr Geschäftsmodell auf völlig neue Branchen aus. Beinahe blindwütig stürzen sich manche Verleger in Abenteuer mit ungewissem Ausgang.”
“Den Printverlagen mangelt es nicht an Überlebenswillen. Aber vielen fehlt bisher eine nachhaltige Strategie, um ihr großes Problem zu bekämpfen: den Leserschwund.”
“Gerade die überregionalen Titel entwickeln sich gut.”
Diese positiven Entwicklungen beruhen vor allem auch auf Aktivitäten jenseits des Kerngeschäfts (Bücher, Filme, Wein etc.), aber durchaus auch Auflagensteigerungen, wie das gern zitierte Beispiel der SZ zeigt.
Den kleineren, regionalen oder lokalen Blättern werden hingegen geringere Überlebenschancen eingeräumt.
Lokale Kompetenz
Dabei haben Sie eine Stärke, auf die sie sich besinnen und konzentrieren sollten: lokale Kompetenz! Versuchen Sie einmal, bei Google oder den viele aufkeimenden Newsportalen etwas über Ihren Stadtteil, Ihr Dorf oder Ihre Straße zu erfahren. Frustrierend…
Die Regional- und Lokalkompetenz gilt es also zu nutzen. Das diese Strategie Zukunft haben kann, zeigt eine aktuelle Studie von Juniper Research:
“Nearly 1.3 billion mobile users – 30% of the subscriber base – are expected to utilise local mobile search services by 2013, according to a new report from industry analysts, Juniper Research.” (ein kostenloses Whitepaper gibt es zum Download, leider ohne direkten Link)
Lokale Inhalte bleiben also auch in Zukunft wichtig und relevant, auch wenn sich die Kanäle vielleicht verschieben mögen. Die Studie geht deshalb von “mobile usern” aus, die die Inhalte über ihr Mobiltelefon abrufen. Aber dennoch: Die Kernkompetenz für lokale Themen ist letztendlich entscheidend – und im zweiten Schritt die Kompetenz, diese hochwertigen Inhalte auf den passenden Kanälen zuzustellen. Und damit meine ich nicht eine 1:1-Kopie der Zeitung als ePaper im Internet!
Ist die Generation “Onliner” verloren?
“Die jungen Leute beginnen einfach später, Zeitung zu lesen”, sagt der Forscher (Medienforscher Röper). Und auch der Verlagsberater hegt noch einige Hoffnung: “Ob die jungen Leute später von Online auf Print umsteigen, wissen wir nicht. Die erste Online-Generation ist gerade 20 Jahre alt.”
Verloren auf keinen Fall – aber eben: Neben den Inhalten kommt es in Zukunft auch auf die Kanäle an!
“Freemium”-Services?
Die Bereitschaft für Inhalte im Internet zu zahlen sinkt weiter – daran zweifeln nur wenige. Und auch die FTD stellt fest:
“Die Bereitschaft der Deutschen, für Informationen zu zahlen, sinkt stetig.”
Gleichzeitig wird sich meiner Meinung nach aber auch eine neue Zahlungsbereitschaft entwicklen: Wenn ich nicht mehr bereit bin für Inhalte zu zahlen, dann aber für den Service, nicht mehr suchen zu müssen. Wer mir diese mitunter frustrierende und aufwändige “News-Suche” abnimmt, hat sich auch eine entsprechende Entlohnung verdient. Ein tolles Wort für diesen “Premium-Service” mit “kostenlosen Inhalten” gibt es auch schon: “Freemium”. Wie gesagt: versuchen Sie einmal, etwas über lokale Themen im Internet herauszufinden. Sie werden nicht begeistert sein… – und am ehesten bei der entsprechenden lokalen Tageszeitung fündig.
Stichworte: , Freemium, lokale Kompetenz, Studie, tageszeitungen |