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Von André Hellmann | 2.Juni 2008
Das liebe Papier – Nichts zählt mehr für Verleger als die bedruckten Millimeter und Spalten, die aus den teuren Druckmaschinen laufen um gefaltet, gefalzt, geschnitten und beigelegt mit Beilagen beschossen, eingerollt und geliefert zu werden. Ich liebe diesen Prozess!
Schade nur, dass es einfach jährlich weniger Zeitungen werden, die diesen liebevollen Prozess in Westeuropa und Nordamerika täglich erleben dürfen (WAN). Ein Minus von 2,38 Prozent verzeichnet Deutschland über Vorjahr. Damit bedrucken die Deutschen Tageszeitungsverlage täglich insgesamt 20,6 Millionen Zeitungen. Identisch ist der Verlust mit dem Prozentsatz, in dem “paid daily circulation” in der gesamten EU über Vorjahr fiel (-2,37%). Im Vergleich zu 2003 fehlen 5,91% der täglichen Zeitungsproduktion.
In den USA, wo täglich heute 51 Millionen Zeitungen produziert werden ist der Verlust herber: Hinter dem Minus über Vorjahr steht eine fast glatte 3 (-3,03%) und zu 2003 schrumpfte der Vertrieb um 8,05%. Der empfindliche Verlust dieser Auflage ließ auch den Titel-Markt um 0,56% zurückgehen.
Die Werbemärkte in den Regionen schrumpften (- 3% USA) oder wuchsen übersichtlich (+1,51% EU). Hier steppt der Bär also auch nicht mehr.
Wir halten fest: In den stärksten und am weitesten entwickelten Wirtschafträumen der Welt stagniert (bei optimistischer Betrachtung) das Geschäft mit den gedruckten Nachrichten. Marschrichtung muss sein: Effizenzsteigerung der klassischen Modelle zur Gewinnmaximierung und in neue Abenteuer stürzen um neue Erlösquellen zu erschließen.
Im Rest der Welt, also den aufstrebenden Regionen Asien, Afrika und Südamerika bewegt sich die Nadel in die andere Richtung! Und zwar dermaßen, dass sogar das globale Ruder herum gerissen werden konnte: Um 2,57 Prozent stiegen die Zeitungsauflagen weltweit. Und um immerhin 0,86% wuchs der nationale Werbemarkt für Zeitungen. Täglich werden auf der ganzen Welt 532 Millionen Zeitungen ver- und gekauft, die insgesamt eine Leserschaft von 1,7 Milliarden Menschen erreichen. Ein Viertel der Weltbevölkerung (bevor ihr bei Wikipedia nachschaut: Es sind 6,7 Milliarden erwartet Juli 2008 ) liest also Zeitung.
Ich erspare jetzt mal Details hier. Was mir einfach in den Kopf schießt: Wenn die Zeitungs-Geschäftsmodelle in den starken Regionen schrumpfen und in den schwachen aber wachsenden mitwachsen, wie lange wird es dann dauern, bis in diesen Regionen die gleichen Probleme auftreten? Wie nachhaltig ist es, in diese Märkte zu investieren? Kann man die Tage nicht herunterzählen, bis Breitbandinternet aus dem Kabel und übers Mobilfunknetz Druck auf die Printmedien ausüben. Wir kennen das Ende den Zwischenstand der Geschichte doch. Ich stelle mir vor, dass das Geld, das für den Ausbau der Verlags-Aktivitäten in diesen Entwicklungsländern in Kommunikations-Infrastruktur gesteckt wird, damit nicht nur Nachrichten an eine Elite, sondern Informationen, Bildung, Meinungsvielfalt und Freiheit digital distribuirt werden kann; zusammen mit ordentlichen Online-Nachrichten der Unternehmen, die heute für 100 Millionen Euro Druckmaschinen von manroland nach Afrika exportieren.
Müssen die gleichen Fehler echt mehrmals gemacht werden? So langsam gehen uns dann nämlich die möglichen Länder für die “best practices” aus.
Stichworte: , Auflagen, zeitung |