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Von Stephan Sperling | 26.Juni 2008
(SSp) – Aufgrund der nicht enden wollenden Diskussionen über das mehr oder weniger nahe Ende der gedruckten Zeitung bekommen wir immer wieder Einblicke in die Strategien der verschiedenen Verlage. Nach Mathias Döpfner meldet sich jetzt auch Jens Joffe, Herausgeber der ZEIT, zu Wort.
Seine Devise lautet: “Klasse, nicht Klicks“:
“Die Zeitung muss Standards wahren, um im Netz zu überleben.”
Weder Communitys noch User Generated Content bringen einer Zeitung im Web den Erfolg, sondern die klassischen Tugenden von Zeitungsmachern, so die Meinung des Herausgebers. Und was macht einen guten Journalisten aus?
“Er sortiert, wählt aus und deckt eine wunderbare Tafel. Seine Daseinsberechtigung ist die Autorität, hinter der Kenntnis und Urteil stehen.”
Interessant sind in diesem Zusammenhang die Ergebnisse der Studie “Bestandsaufnahme journalistischer Arbeitsweise im digitalen Zeitalter“. Demnach recherchieren Journalisten selbst verstärkt im Internet und vernachlässigen die Prüfung von Quellen und Fakten schon fast sträflich.
“Nur elf Minuten würde der durchschnittliche Journalist pro Tag dafür [Überprüfungsrecherche mit einem Quellen- und Faktencheck, Anmerkung des Autors] verwenden. Nur in 7,9 Prozent der Fälle finde ein gesonderte Prüfung von Quellen statt.” (heise.de)
Da geht die Schere zwischen Anspruch und Wirklichkeit offenbar weit auseinander. Und besonders Online-Redakteure entsprechen nicht gerade dem Bild vom perfekten Journalisten, das Jens Joffe zeichnet.
“Gerade Online-Journalisten würden Zusatzinformationen zu 49 Prozent rein computergestützt einholen und in weiteren 40 Prozent der Fälle auf Nachrichtenagenturen zurückgreifen, erläuterte der Leiter der Untersuchung, Marcel Machill von der Universität Leipzig (…).” (heise.de)
Das klingt für mich eher nach Mikrowellen-Essen und weniger nach einer “wunderbar gedeckten Tafel”. Den Journalisten selbst ist aber meiner Meinung nach aber auch kein Vorwurf zu machen – ich Verweise nur auf diese Meldung von turi2 zum anstehenden Relaunch von handelsblatt.com:
“Anders als bei der Konkurrenz wird die Online-Redaktion nicht aufgestockt, sondern verharrt bei eher bescheidenen 12 Redakteuren – deutlich weniger als z.B. der Konkurrent manager-magazin.de.”
Update 27. Juni 2008:
“Anders als turi2 unter Berufung auf Projekt-Kenner berichtete, soll die Online-Redaktion des “Handelsblatt” einen “massiven Ausbau” erleben, teilt der Verlag per Presseinfo mit.” (turi2)
Das klingt doch gleich viel besser und entspricht dann auch der Vorstellung/Forderung von Herrn Joffe. Das neue handelsblatt.com hat mich übrigens mit einigen guten Funktionen positiv überrascht, auch wenn noch nicht alles ganz rund zu laufen scheint. Aber ein paar Kinderkrankheiten sind denke ich normal…
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