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« Digitales Papier: Der nächste Schritt? | Home | Rosige Zeiten für deutsche Verlage…? »
Von Stephan Sperling | 18.August 2008
(SSp) – Heribert Prantl, seines Zeichens Leiter des Ressorts Innenpolitik bei der Süddeutschen Zeitung, steuert einen weiteren Teil zu unserer Serie „Die Zukunft der Zeitung“ bei. (Die bisherigen Beiträge der Serie finden Sie ganz unten.)
Was sind die Schwächen der Zeitung fragt sich Heribert Prantl – und kommt zu folgendem Ergebnis:
Die logische Schlussfolgerung und gleichzeitig die Chance der Zeitung:
„Weil es das Internet, weil es also nun bessere, schnellere Methoden bloßer Informationsvermittlung gibt, kann sich die Zeitung auf anderes konzentrieren – auf Analyse, Hintergrund, Kommentierung, auf Sprachkraft, Gründlichkeit und Tiefgang, auf all das, was sich in der Hetze der Echtzeit im Internet nicht leisten lässt. Die Zeitung kann Wegweiser sein im Wirrwarr; sie kann Informationen destillieren, konzentrieren, auswerten, bewerten; sie kann eine neue Weltbühne aufstellen; sie kann Gebrauchsanweisung sein für das digitale Diesseits.“
Diese Schlussfolgerung funktioniert aber nur, so lange auch Papier das Trägermedium der Zeitung von morgen bleibt. Wird das Papier digital, wird der Markt eine Verbindung der Stärken erwarten. Schnelle Informationen und gründliche Hintergründe. Und dafür wird kaum jemand zu zwei verschiedenen Medien greifen wollen. Aus meiner Sicht kann es sich ein Medienunternehmen in Zukunft nicht leisten, lediglich auf eine der beiden Stärken zu setzen. Wir alle sind es inzwischen gewohnt, dass Nachrichten sich blitzschnell über den Globus verbreiten – ich würde sogar behaupten, viele von brauchen diesen Kick als „erster“ Informiert zu sein. Als Lektüre zu dieser Daten-Sucht sie jedem „Der Spiegel“, Ausgabe 33 vom 11.08.08 (nicht online) empfohlen:
„Der Befund, fürs Erste, zeigt eine verhaltensauffällige Menge hochnervöser Individuen. Etwa 50-mal pro Tag öffnet ein typischer „Informationsverarbeiter“ sein E-Mail-Fenster, 77-mal wendet er sich dem Instant Messaging-Programm für den schnellen Versand von Nachrichten zu, nebenbei werden bis zu 40 Internetseiten besucht.“
Meiner Meinung nach muss ein Verlag im ersten Schritt diese „Sucht“ befrieden, um im zweiten Schritt dann Hintergründe und Analysen zu liefern. So werde ich an eine Marke gebunden und kann ein entsprechendes Vertrauen aufbauen.
Und auch Heribert Prantl sieht das so – allerdings wird für mich nicht ganz klar, wem er die Rolle des Informationsvermittlers im Internet zudenkt:
„Es wird davon geredet, dass Zeitungen und Internet sich ergänzen. Das stimmt dann, wenn jedes Medium seine spezifischen Stärken kennt. Die Stärke des Internets ist die Rasanz, die Stärke der Zeitung die Reflexion. Zeitungen, die sich darauf besinnen, werden interessanter, weil sie Uniformität und die Wiederholung des Immergleichen vermeiden.“
Wie gesagt: Für mich müssen beide Funktionen von einer Quelle bedient werden – natürlich entsprechend medienspezifisch aufbereitet: Copy und Paste, also dass hin- und herschieben der Inhalte, funktioniert sicher nicht. Und ohne intelligente Verknüpfung von Internet und Zeitung erfahre ich nicht, dass mir die Zeitung gute und hochwertige Hintergründe zu den Themen liefern könnte, die mich interessieren. Passiv die Inhalte zur Verfügung zu stellen und darauf zu hoffen, dass ein Datensüchtiger zufällig darüber stolpert, halte ich für riskant. Zu intensiv sind die Ablenkungen (nochmal sei auf den Spiegel verwiesen!).
Die bisherigen Ausgaben zur Zukunft der Zeitung
Und weitere lesenwerte Beiträge zum Thema:
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