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Von Stephan Sperling | 6.Oktober 2008
(SSp) – Ich hatte mal das Vergnügen, unter einer sehr US-orientierten Verlagsmanagerin zu arbeiten. Ihre Devise lautete stets:
„Wir machen alles, wie es die Amis machen. Denn die sind uns immer ein paar Jahre voraus!“
Und getreu diesem Motto wurde – meist eher schlecht als recht – versucht, die vermeintlichen Erfolge der Amerikaner zu kopieren. Und damit waren wir nicht allein. Die Verlagshäuser von klein bis groß versuchten und versuchen bis heute, Erfolgsgeschichten zu kopieren. Social Networks, Communities, Webvideos und Web-TV und und und… Attraktiver noch als selber kopieren ist anscheinend die Möglichkeit, Kopien zu kaufen, sobald sie sich auf dem Erfolgsweg befindengute Klickzahlen vorweien können.
Das eine oder andere beachtliche Klickwunder wurde so aus dem Boden gestampft.
Und nun?
Wie Axel Apostinet (Web-Watcher, Handelsblatt) in seinem Blog berichtet, lohnt sich ein Blick in die USA gerade ganz besonders. Aufgepasst, jetzt gibt es wirklich etwas zu lernen und abzugucken!
„Der Insider-Blog Valleywag muss 60 Prozent der Stellen streichen (…)“
So weit noch nicht sonderlich spektakulär. Spannend wird es bei der Begründung – der Blog ist nämlich eigentlich überaus erfolgreich (Ui, ein Klickwunder!).
„We never used to talk about the business side of the operation. Traffic was the only concern; my belief was that juicy news would draw the readers and the advertising would take care of itself. We were patient; even if it took four years for a site to develop the audience that finally registered with advertisers, we had the time. No longer.“
Auf den Punkt gebracht von Axel Apostinet:
„Wer jetzt noch kein Businessmodell hat, wird auch lange keines haben. Das bedeutet aber auch, dass Investoren ein Problem bekommen werden, ihre sorgsam aufgepäppelten Web-Angebote noch mit Gewinn weiter zu verkaufen. Wie lief das denn immer? Reichweite aufbauen, Traffic anziehen, Page-Impressions produzieren und dann mit den Powerpoints um die Häuser ziehen. Das wird schwierig werden.“
Prominentestes Beispiel ist und bleibt Google mit dem Kauf von Youtube. Im Augenblick gibt es keinerlei Anzeichen dafür, mit der Seite auch nur annähernd die Investitionen wieder reinzuholen. Wenn nicht einmal Google es schafft, die vielen Millionen PIs zu Geld zu machen, wer dann?
Das Problem liegt auch klar auf der Hand: Wer bei Google eine Suche tätigt, ist in vielen Fällen auch für Werbebotschaften empfänglich. Wer sich hingegen ein Online-Video ansieht, will unterhalten werden – und lässt die Werbung bestenfalls über sich ergehen. Gleiches gilt auch für den regionalen Zeitungsverlag, der jetzt auf Bewegtbild macht und auf viele PIs hofft – nur mit weit schlechteren Aussichten auf gute PIs und entsprechenden Werbe-Deals.
Und noch ein Problem bahnt sich an. Immer häufiger werden Webbrowser mit Plugins aufgemotzt, die jegliche Werbung beim Surfen ausblenden. Wer hier noch auf Reichweite, PIs und Werbefinanzierung hofft, der träumt. Diese Erkenntnis haben uns die Amerikaner offenbar inzwischen voraus. Hingucken und nachmachenlernen erwünscht!
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