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Von Stephan Sperling | 16.Oktober 2008
(SSp) – Die Buchmesse ist in vollem Gange und mehr noch als die Zeitungsverlage scheinen sich die Buchverlage in diesen Tagen Gedanken um ihre digitale Zukunft zu machen.
“Ab Frühjahr lesen wir ganz eifrig das E-Book” schreibt die Welt, die FTD übt sich im “Warten auf den iPod-Effekt“, die Süddeutsche wittert “Die smarte Bedrohung“, die Zeit glaubt, der “Amazon-Chef will das Buch neu erfinden“, das Handelsblatt meint, der “E-Reader stiehlt Büchern die Show” und “Das Handy ist die bessere Bibliothek“, Science-Fiction-Autor William Gibson ist sich in der Frankfurter Rundschau hingegen sicher, “Das Buch der Zukunft ist ein Buch“.
Soweit die kleine Medienschau. Und was denken die Nutzer?
“Hm, 12000 Bücher passen in so einen kleinen Kasten? Dann würde man sich zumindestens das Bücherregal sparen. Na ja und Papier wird auch gespart. Vielleicht sogar eine sinnvolle Erfindung. Aber ein klassisches Buch ist doch irgendwie besser. ” (Andreas bei welt.de)
“Ein Buch aus Papier, das ist weit mehr als nur sein Inhalt – Schöne Umschläge, ein sich gut anfassendes Papier, ja manchmal sogar ein bestimmter Geruch gehören zum Lesegenuss dazu. Und, ganz im Vertrauen – ich starre tagsüber schon genug auf Displays und Bildschirme. Da werde ich meine Nachtlektüre nicht auch noch per E-Book lesen wollen. Mein Fazit: E-Books sind völlig unsexy.” (Ralf G bei focus.de)
“Ein bisher kaum genannter Nutzen liegt in der Möglichkeit, sogenannter freier Autoren, über sich neu gründende Verlage in die Literaturlandschaft einzubringen. ” (Freier Leser bei welt.de)
“99 Dollar für eine proprietäre Kiste? Und da wundern sie sich, daß es keinen Massenmarkt gibt? Für weniger Geld gibt es ältere gebrauchte Notebooks, die man mit WLAN aufrüsten kann und die um ein Vielfaches vielseitiger sind. Ab 600 Euro fangen schon neue Notebooks an. Meine Glaskugel sagt mir: Auch das wird ein Flop. Herzlichen Glückwunsch!” (lr bei teltarif.de)
“Es ist bewegte Tinte, was bei neuen Modellen für die Anzeige sorgt. Da flimmert nix und das Lesen ist total entspannt. Bei Reisen muss ich mit dem E-Book nicht den Koffer mit Literatur füllen, sondern nur den Speicher des E-Books, was weder Platz noch Gewicht “kostet”. (d-nic bei welt.de)
Und so weiter und so weiter. Ich kann keinen klaren Trend erkennen, habe aber eine klare Meinung.
Ich denke, man muss zwischen B2B- und B2C-Markt unterscheiden:
B2B-Markt: Hier werden sicher immer mehr BücherInhalte digital gelesen und verarbeitet. Dank Notebooks werden aber die wenigsten Nutzer noch einen extra Reader benötigen. Wozu auch? Die Zukunft von Fachinformationen ist aber meiner Meinung nach viel eher digital, als z.B. die der Belletristik.
B2C-Markt: Egal ob ich einen Roman lese oder einen Ratgeber: Hier kommt es auch auf das Äußere an (schöner Umschlag, Abbildungen, Illustrationen etc.) – und das kann Papier im Augenblick besser als die Reader. Und wer im Jahr nur ein paar Bücher liest, wird sich niemals einen so teuren Reader zulegen – zumal es die Bücher ja dann immer noch zu kaufen gilt. Klar, die Preise werden fallen und die Geräte werden besser, aber ob das reicht? Und noch eine (subjektive) Beobachtung aus meinem Umfeld: Die echten Leseratten, die ich kenne, würden ihre Bücher niemals digital lesen.
Stichworte: , Amazon, Buchmesse, E-Books |