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Von André Hellmann | 11.Februar 2009
Walter Isaacson - How to save your newspaper.
(AH) – Wie rettet man eine Tageszeitung…? Damit beschäftigen sich gerade einige Leute; vornehmlich in den USA, wo das Thema tatsächlich “retten” und nicht “stabilisieren” heißt. In diesem Zusammenhang kamen mir heute morgen zwei ganz grandiose Ideen unter, an die ich leider einfach nicht glauben kann. Aber ich stelle mich hier gerne der Diskussion:
1. Journalismus-Gott Walter Isaacson, Presidänt des “Aspen Institutes” in Colorado war diese Woche auf Jon Steward’s “Daily Show”, wo er seinen Time Magazine Artikel “How to save your newspaper” diskutierte. Hier kann sich den Clip auch zu Gemüte führen. Isaacson sagt, dass es Zeit wird, wieder “Micropayments” einzuführen und dass diese Strategie beim ersten Versuch nur an den schlechten und vielen verschiedenen Payment-Modellen gescheitert ist. Glaub ich nicht dran. Ich denke es ist daran gescheitert, dass die Inhalte im Web in einem sehr großen Wettbewerb mit beliebigen, kostenlosen Angeboten (nicht nur Inhalten) stehen. Und dass Menschen eher nichts bezahlen wollen als dass sie was bezahlen. So ist leider der Lauf der Dinge.
Ich finde, dass Jon Steward in dem Video die bessere Idee liefert: Süchtig machende Drogen in das Zeitungspapier mischen, die über die Haut aufgenommen werden.
2. Steve Outing, den ich sehr schätze und echt ein schlaues Kerlchen ist, schiebt dann hinterher, dass Isaacson’s Idee nicht so gut ist. Leute zwingen, für etwas zu bezahlen, dass ursprünglich kostenlos war wird wohl eher zu einer abweisenden Haltung führen. Bin ich bei ihm. Sein Lösungsvorschlag ist das kalifornische Startup “Kachingle”. Hier kann der Nutzer ein monatliches Online-Medienbudget frei hinterlegen (1$, 10$, 100$, etc.). News-Seiten, die etwas von dem Kuchen haben wollen, müssen ein “Kachingle-Batch” auf ihrer Seite anbringen. Will ich eine Seite unterstützen, dann klicke ich auf den Badge (will ich sie nicht mehr unterstützen kann ich das über den gleichen Weg tun).
So, habe ich einen Account eröffnet, Budget angelegt und die Seiten über den Badge markiert, die ich unterstützen will, dann ermittelt Kachingle am Ende des Monats durch mein Surf-Verhalten auf den entsprechenden Seiten, wie mein Budget jetzt aufgeteilt wird. Mehr ins Detail will ich hier nicht gehen; wenn es tiefer interessiert kann es auf Steve’s Blog oder in seiner Editor&Publisher-Kolumne nachlesen.
Leider glaube ich aber auch nicht daran, dass das klappt. Jetzt darf ich also freiwillig bezahlen für etwas, das davor kostenlos war. Steve meint, dass Leute so langsam schnallen, dass die Inhalte nicht von Gott gegeben ohne Aufwand zu verursachen auf die Webseiten fallen und bekommen dann ein schlechtes Gewissen, dass sie durch eine “Spende” für die Redakteure und Journalisten wieder beruhigen.
Echt?
Glaub ich nicht. Denke, dass die Leute sich das Gleiche denken, wie wenn sie einen “Ein Herz für Kinder”-Aufkleber sehen oder an einem Greenpeace-Stand vorbeilaufen. “Da müsste man eigentlich echt mal was machen”…
Meiner Meinung nach sind diese beiden Ansätze also nicht DIE Lösungen, um “deine Zeitung” zu retten. Ich glaube auch garnicht, dass es DIE Lösung in Form DES Online-Geschäftsmodells gibt. Sondern dass die Erlöse von ganz vielen Seiten und Quellen kommen müssen. Und vielleicht sind das zwei weitere, die man nicht außer Acht lassen sollte. Man sollte sich aber auch nicht darauf versteifen, dass das jetzt die Lösung sei.
Stichworte: , tageszeitungen |