Wer über last.fm Radio hört und nicht in GB, den USA oder Deutschland lebt, wird ab Ende März 3 Euro pro Monat für die Nutzung des Webradios zahlen müssen. Lediglich in den drei genannten Ländern würden die Werbeeinnahmen auch die Kosten für die Bereitstellung des Services decken – so die offizielle Begründung für den Verzicht die flächendeckende Einführung im last.fm-Blog. Inoffiziell will man sich vermutlich nicht gleich mit der gesamten Nutzerschaft anlegen.
Wie zu erwarten war, schlägt die Einführung der Gebühr in der Nutzerschaft hohe Wellen. Unter dem Blogbeitrag finden sich bereits massenhaft Kommentare erboster Nutzer (aktuell über 600), die ihrem Unmut Luft machen und sich reihenweise von last.fm verabschieden.
Neben der Frage, ob die Rechnung für last.fm aufgehen wird, beschäftigt mich vor allem die Frage nach dem richtigen Timing zur Einführung kostenpflichtiger Services. Dabei kann meiner Meinung nach drei Strategien geben:
- Erst Masse, dann zur Kasse – also das, was last.fm gerade macht:
Reichweite aufbauen und irgendwann versuchen, diese auch zu monetarisieren.
- Parallel-Angebote:
Von Beginn an existieren sowohl ein kostenpflichtiges als auch ein kostenloses Angebot, im kostenlosen Modus sind nicht alle Services verfügbar. Als Unternehmen muss man also versuchen, die Nutzer von den Vorteilen einer Premium-Mitgliedschaft zu überzeugen und ihn zu einem zahlenden Kunden entwickeln. XING oder aber auch Skype arbeiten nach dieser Methode.
- Shareware-Modell:
Der Nutzer kann den Funktionsumfang eines Services innerhalb eines gewissen Zeitraums kostenlos testen. Nach Ablauf des Zeitraums muss eine Lizenz erworben werden – oder der Nutzer fällt zurück auf eine kostenlose Basis-Mitgliedschaft mit eingeschränktem Funktionsumfang. Innerhalb des Testzeitraums muss es dem Anbieter also gelingen, sich für den Nutzer unentbehrlich zu machen. Microsoft verfährt so, teilweise auch XING.
Ich persönlich tendiere auf jeden Fall zu den Modellen 2 und 3, da hier von Anfang an klar ist, dass der angebotene Service eine kostenpflichtige Komponente besitzt. Die Kunst besteht dann darin, den kostenlosen Service so wertvoll zu gestalten, dass er Nutzern einen ordentlichen Mehrwert bietet und diese überzeugt. Gleichzeitig muss der Premium-Service so gestaltet sein, dass er zumindest einem gewissen Anteil der Nutzerschaft einen deutlichen Mehrwert bietet, der die Zahlung eines monatlichen Beitrags rechtfertigt. Keine leichte Aufgabe.