Geschäftsmodelle für die NYT

Sie bleibt umtriebig, die “Grey Lady“. Letzte Woche startet Sie TimesWire und TimesReader 2.0 (Holger Schmidt beschreibt beides prima hier); zudem gibt es die offene Homepage, das TimesAlerts-Personalisierungs-Programm und auch noch die soziale Nachrichten-Engine TimesPeople. Und dabei sprechen wir noch nicht über alle neuen Projekte, die sich in der Pipeline befinden und in den kommenden Wochen und Monaten ausgespuckt werden.  Scoble hat in diesem kleinen Beitrag schon einmal mehrere Blicke darauf geworfen und kleine Videos verlinkt von dem, was kommt…

Bei so viel Umtriebigkeit im R&D-Department muss man natürlich auch irgendwann wieder ans Geld verdienen bzw. sparen denken. Im Falle der NYT hat man da den komfortablen Vorteil, dass sich andere darüber den ganzen Tag Gedanken machen und darüber bloggen während man sich “nur” zurücklehnen und die besten Ideen aufgreifen muss. Die letzten vier Ideen kommen von Text Technologies. Ich sage absichtlich nicht “neue”, sie sind dennoch eine kurze Erwähnung wert:

1. Mehr Geld von weniger Lesern

Tom Acheim, Newsweek-CEO sagt:

For us, mass is a business that doesn’t work. I wish it did, but it doesn’t. We did it for a long time, successfully, but we can’t anymore.

Die Idee ist daher das einbrennen der Print-Ausgabe bis zu dem Punkt, wo sie wieder profitabel ist und hochspezialisierte Nischen-Werbemodelle anzubieten. Masse kriegt man günstiger über das Internet… Finde ich einleuchtend und vom Prinzip her gut; allerdings ist das aufgrund von Abschreibungen, Personal- und Gewerkschafts-Themen (auch in den USA) ein Evolutions-Thema. Dazu muss man sich heute entscheiden um es in drei bis fünf Jahren umsetzen zu können.

2. Paid Content (wie gesagt, nicht “neu”)

Zurück zu “Times Select”, das zwar Geld bracht aber einfach nicht mehr wuchs. Also kein großartiges Modell. Jetzt soll das aufgesponnen werden; zahlende Nutzer bekommen z.B.

  • längere Artikel (also ungekürzte Versionen)
  • mehr Artikel (vor allem Meinungen, Kommentare, etc., die es nicht ins Blatt schaffen)
  • mehr Fotos und / oder Videos (quasi Galerien und Video-Channels, die es nicht ins Blatt oder die Startseite schaffen)
  • direkten Kontakt mit den Autoren, Reportern und Journalisten

Sage ich zu allem ja, solange es sich um die Resteverwertung von “Eh-Da-Kosten” handelt. Zumindest beim Start sollten dafür keine inkrementellen Kosten oder zusätzlicher Aufwand entstehen. Wenn es sich rechnet, dann kann man ja noch ein Holz auflegen.

Interessant finde ich die Aussage, dass das Paid Content Programm von ESPN names “Insider” recht erfolgreich läuft, da konzentrierte Sport-Informationen große Relevanz für Sport-Wetter und Fantasy-Sport-Ligen haben. Logo. Kam ich nicht drauf.

3. Themen-spezifische Premium-Infos

Das favorisierte Modell von Murdoch, der die Leute für die “besten” Informationen bezahlen lässt. Unter der Dachmarke der New York Times entstehen also Themen-Silos, die über die generell informierenden Artikel an der Oberfläche hinaus dann wahren Nutzwert in der Tiefe bieten. Diese “Verticals” könnten dann auch mit Informationen von Partnern und Zulieferern bestückt werden und diese Ausprägungen haben:

  • Sport
  • Theater
  • Kunst
  • Kino
  • Ausgehen / Essen
  • Politik und Wirtschaft Hyperlokal

Versteh ich ja eh nicht, warum das nicht schon viel öfter passiert ist. Aber vielleicht wurde es jetzt oft genug gesagt und es passiert mal was.

4. Merchandise

Die Süddeutsche ist bei uns der Meister im Ring. In den Staaten wird es bereits genau so betrieben. Als Zwischenhändler mit teils gebrandeten Artikeln über einen Online-Shop Geld verdienen. Angeboten werden kann:

  • Tickets zu Veranstaltungen; z.B. Konzerte aber auch politische und eigene Events
  • Bücher, DVDs und was sonst so zur Zeitung passt
  • T-Shirts, Kaffeetassen, Taschen – Wobei ich hier gerne auf die Chance verweisen würde, das in Kooperation mit z.B. Spreadshirt zu machen, MyMuesli (oder wie die jetzt heißen) oder Sonntagmorgen. Da gibt es tolle Synergien, wie auch das Marketing eingebunden und die Zeitungsmarke transportiert werden kann.

Logo; keine GuV dieser einzelnen Maßnahmen wird sich so schön lesen wie die GuVs der Zeitungen. Aber es ist auch nicht mehr 1989, sondern 2009.  Die Gesellschaften der nordamerikanischen und westeuropäischen Ländern ziehen weiter und entfernen sich von Massenmedien; vor allem die nachwachsenden Generationen wachsen mit Werkzeugen auf, die sie immun werden lassen für breit gestreute Informationen.

Die Medienwelt wird ein vernischtes, fragmentiertes, segmentiertes Konstrukt und eine schöne große Summe bekommt man heute und vor allem morgen nicht mehr mit einer großen, sondern mit vielen kleinen Maßnahmen. Also, fangen wir an zu basteln!