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Von Stephan Sperling | 28.Juni 2009
Heute Abend konnte ich es endlich einmal einrichten, den neuen Zeitungsdrucker am Münchner Hauptbahnhof auszuprobieren.
18:18 Uhr - Ankunft im richtigen Presseladen, am Münchner Hauptbahnhof gibt es ja trotz Print-Krise immer noch mehrere Verkaufsstellen zur Auswahl. Seitlich der Kasse befindet sich ein kleiner unscheinbarer Touchscreen. Wer in den Laden kommt ohne vorher vom Zeitungsdrucker gehört zu haben, wird sich vermutlich nicht für das Ding interessieren. Für die Präsentation am Point of Sale gibt’s also schon mal ganz klar Punktabzüge.
18:20 Uhr – Schnell klicke ich mich durch das Menü, das einfach gehalten ist. Da ich ja nur den Druck-Service testen möchte wähle ich einfach mal die USA als Herkunftsland meiner Wunsch-Zeitung, scrolle kurz en bisschen und wähle dann den „Boston Globe“ aus.
18:21 Uhr – Ich gebe meinen Namen ein und sage an der Kasse bescheid. Die Verkäuferin bestätigt über den Touchscreen offenbar meine Bestellung und kassiert 6 Euro von mir. Stolzer Preis.
18:21 Uhr – Der große, hinter der Verkäuferin aufgebaute Drucker beginnt zu blinken.
18:22 Uhr – Der Drucker spuckt die eine erste Doppelseite des Globe im Format DIN A3 aus. Dann passiert lange nichts. Zu lange.
18:38 Uhr – Ich sage der Verkäuferin, dass mein Zug in wenigen Minuten fährt. Sie greift zum Telefon und ruft bei einem für den Zeitungsdrucker zuständigen Menschen an. Der rät ihr wohl noch etwas zu warten. Noch während des Telefonats beginnt der Drucker, weitere Doppelseiten auszuspucken. Die Verkäuferin wirft einen Blick auf die Ausdrucke und sagt zu mir: „…wenn Sie sich auch eine Zeitung mit so viel Werbung aussuchen!“
18:42 Uhr – Der Drucker spuckt immer noch fleissig weitere Seiten aus, es wird langsam eng. Die Verkäuferin reicht mir eine Plastik-Tüte und meint „für’s Zusammenheften reicht es wohl nicht mehr“.
18:43 Uhr – Ich sage der Dame, dass ich jetzt wirklich los muss. Sie drückt mir den Stapel Papier in die Hand, den der Drucker bisher ausgespuckt hat. Während ich schon halb aus dem Laden stürme reicht mir die Verkäuferin noch 2 Seiten und fragt, ob ich den Rest nicht in den nächsten Tagen noch abholen könnte. Nein, kann ich leider nicht. „Dann melden Sie sich, vielleicht kriegen Sie noch was zurück“ ruft sie mir noch hinterher.
18:44 Uhr – Ich springe in den IC, der sich wenige Sekunden später in Bewegung setzt. Ich beginne gleich mal mit der Inventur:
Auf 31 DIN A3-Blättern habe ich also 62 Seiten „Boston Globe, inklusive der Beilage „g Family“ erhalten. So weit ich das erkennen kann, war die Zeitung damit sogar vollständig, selbst das farbige Titelblatt finde ich in meiner Plastik-Tüte.
Mein persönliches Fazit:
Gute Idee, aber in der jetzigen Form leider völlig unbrauchbar. Wer hat am Bahnhof (sagen wir sicherheitshalber) 30 Minuten Zeit, um auf den Ausdruck einer Zeitung zu warten? Je nach Andrang in der Filiale kann zudem noch Zeit vergehen, bis die Verkäuferin den Druck startet. In meinem Fall war die Filiale nur mit einer einzigen Verkäuferin besetzt, die Schlange an der Kasse war zeitweise bis zu 10 Kunden lang. Ein (sichtlich von dieser neuen Technik angetaner) Kunde, der sich nach mir an das Terminal gewagt und zwei australische Zeitungen geordert hatte, wurde von der Verkäuferin auch prompt niedergebügelt: „Stellen Sie sich hinten an, zahlen Sie – und dann drucken wir!“. Dabei hatte er nur freudig in Richtung Verkäuferin gerufen: „Da kommen gleich noch zwei Zeitungen für mich raus!“
Dass Selfservice in Deutschland in der Regel besseren Service bedeutet als persönlicher Service wissen wir ja spätestens, seit wir unser Geld am Automaten abheben dürfen und die Briefmarken ebenfalls von Automaten ausgespuckt werden.
Dem Zeitungsdrucker räume ich also nur Chancen ein, wenn er folgende Kriterien erfüllt:
All diese Kriterien sollten in der heutigen Zeit eigentlich erfüllbar sein. Wird aber schon von Beginn an am Service und der Benutzerfreundlichkeit gespart, vergrault man sich schon die frühen Kunden. Apropos Erfolg: Meine Bestellung trägt die Nummer „264“, seit einem knappen Monat steht der Zeitungsdrucker in München.
Stichworte: , print on demand, tageszeitungen, valora retail, zeitungsdrucker |