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Von Lars Grasemann | 22.September 2011
Die alljährlich in Köln stattfindende DMEXCO gilt als Leitmesse für Online-Marketing in Deutschland und somit als Pflichttermin für jeden Online-Marketing-Verantwortlichen. So war es logisch, dass in diesem Jahr ich als in Köln lebender Marketing-Stratege die netzstrategen in diesem Jahr auf der Messe vertreten durfte. Hier nun ein kleiner Bericht meiner Eindrücke vom gestrigen Mittwoch, 21. September 2011:
Zur für Onliner und Kreative nachtschlafenden Zeit von 9.30 Uhr mach ich mich auf den Weg zur Messe. Mit der Bahn rüber auf die „schäl sick“ nach Deutz, fällt mir schon der erste Anhaltspunkt in die Augen, wie digitale und analoge Kommunikation immer mehr verschmelzen. MeineStadt.de wirbt mit Plakaten überall rund um die Messe. Gute Idee, denke ich mir, die Besucher schon auf dem Weg abzuholen und nicht zu warten, bis die eigene Botschaft in der Reizüberflutung der Messe untergeht. Außerdem besticht das Motiv durch seinen aktuellen Bezug. „Das muss man so schnell erst einmal umsetzen“, denke ich und rechne im Kopf die Zeiten für Abstimmung, Reinzeichnung, Litho, Druck, Auslieferung und Beklebung zusammen. Berufskrankheit. In diesem Zusammenhang seien die zahlreichen QR-Codes genannt, die sich überall fanden. In 10 Stunden auf der Messe hab ich allerdings nur einmal jemanden einen Code scannen sehen. Ganz soweit scheint die Verschmelzung dann doch noch nicht zu sein.
Am Bahnhof Messe/Deutz bemerke ich die nächste Auffälligkeit. In der Köln-Messe findet gleichzeitig die „Zukunft Personal“ statt. Während in der Bahn noch ein bunter Mix verschiedenster Menschen und Kleidungsstile vorherrschte, trennen sich nun die Wesen: die Damen in grauen Hosenanzügen biegen zielstrebig in Richtung Personalmesse ab, während sich Männer in bunten Hemden, Anzügen und Turnschuhen zum Eingang Nord begeben, wo die DMEXCO in diesem Jahr stattfindet. Soweit, so Klischee. Was aber auffällt: unter die behornbrillten Jeans-mit-Sakko-Komibinierer mischen sich mehr und mehr krawattenbebundene Nadelstreifenanzüge. Die DMEXCO ist in den Chefetagen angekommen, so scheint es.
Am Nordeingang ist es dann auch sehr voll, so dass ich erst einmal einen Kaffee zu mir nehme. 3,10 Euro für eine normale Tasse mit Milch. Messepreise, schon klar. Kurz ärger ich mich, denn Kaffee werde ich an diesem Tag noch genug an Messeständen für umme trinken können. Aber egal, Sofortmaßnahme erfolgreich.
Beim Betreten der Messehalle wird sofort klar: dies ist keine Industriemesse, hier treffen sich Marketing- und Kommunikationsunternehmen. Nahezu alle Stände sind einladend gestaltet, warten mit digitalen Elementen auf, und an jeder Ecke stehen Menschen mit Fritz Kola oder einem ToGo-Becher Kaffee in der Hand. Schaut man näher hin, sind es vor allem die großen Vermarkter, die klotzen und nicht kleckern. Die großzügig gestalteten Sitzbereiche an den Ständen sind gut gefüllt und man gewinnt den Eindruck, das Sales-Personal hat alle Hände voll zu tun. So wird die Messe intern sicher im Nachhinein als großer Erfolg präsentiert.
Ich für meinen Teil gebe zu, an keinen Stand gegangen zu sein um mir irgendetwas vorstellen zu lassen. Für mich ist eine solche Messe ein großes Klassentreffen mit alten Weggefährten, aktuellen Geschäftspartnern und möglichen Partnern in der Zukunft. Unter dieser Prämisse hab ich mein Ziel auch erreicht. Wo sonst gelingt es, an einem Tag am selben Tag insgesamt ein gutes Dutzend Gespräche zu führen. Für mich – und ich hab mir sagen lassen, für viele andere auch – ist das der eigentliche Wert der Messe. Inhaltlich wird hingegen kaum gepunktet. Dafür gibt es mittlerweile auch viel zu viele Kongresse und Tagungen, die das ganze Jahr Impulse setzen. Einige meiner Gesprächspartner hatten sich im Vorfeld Vorträge herausgesucht. Sie werden allesamt enttäuscht: entweder ist der Saal überfüllt oder der Vortrag kratzt nur an der Oberfläche. Vielleicht wäre es sinnvoll, den Kongress nicht zeitgleich zur Messe, sondern am Vortag zu veranstalten und zu bepreisen. So kann man das Publikum der Vorträge besser filtern und alle Beteiligten hätten mehr davon. Im aktuellen Modus bin ich froh, mir vorher keinen „Plan“ gemacht zu haben.
Einen weiteren Tipp an die Veranstalter hätte ich noch. Ich fänd es klasse, wenn die Aussteller thematisch ein wenig sortiert würden. Die Vermarkter nehmen aktuell den größten Raum ein. Darum herum flankiert ein bunter Potpourri kleinerer Anbieter. In der kleineren Halle finden sich vor allem die beiden „Global Platzhirschen“ Google und Facebook, dazu vermarktungsfremde Größen wie Adresshändler Schober oder Software-Schmiede Adobe. Ich persönlich fänd es besser, wenn z.B. alle Suchmaschinen-Dienstleister, alle E-Mail-Anbieter, etc. in einem Bereich platziert wären. Mir ist schon klar, dass das aus Wettbewerbssicht nicht ganz unkritisch ist, aus Fachbesuchersicht würde es aber helfen.
Besonders gespannt war ich, wie sich die beiden Giganten Google und Facebook präsentieren würden. Google tut das, was es bei solchen Anlässen immer tut. Mit reduziertem Auftritt legt man den Schwerpunkt auf „informative“ Vorträge am eigenen Stand, die allesamt gut besucht werden. Für meinen Geschmack ist der Stand aber etwas überlaufen, wobei viele Besucher es (wie üblich) vor allem auf Giveaways und Google+-Aufkleber abgesehen hatten. Lange Rede, kurzer Sinn: Google hat die Pflicht erfüllt, sollte vielleicht im nächsten Jahr einen größeren Stand planen. Von Facebook hingegen bin ich enttäuscht. Außer ein paar Großbildschirmen ist nicht viel geboten. Auch das Personal (erkennbar an den Facebook-Schlüsselbändern) hält sich dezent zurück. Ich stehe mit großen Augen minutenlang am Stand ohne Gefahr zu laufen, dass mich jemand anspricht. Deshalb Facebook, mehr Präsenz! Dann klappts auch mit dem Beziehungsaufbau in Deutschland.
Apropos Beziehungsaufbau. Auch die Media-Agenturen scheinen das Thema Online mittlerweile ernst zu nehmen. In einigen Gesprächen versicherte man mir, dass die Agenturen immer mehr dazu übergehen, den Online-Part nicht in irgendeiner Tochterfirma zu parken, sondern in die Planungseinheiten zu integrieren. Ein mehr als überfälliger Schritt. Für eigene Messestände reicht der Stellenwert des Themas allerdings noch nicht. Aber vielleicht ja dann auf der DMEXCO 2012.
Gegen Ende des Tages verbreitet sich langsam aber sicher Partystimmung. Wieder sind es die großen Vermarkter, die weder Kosten noch Mühen scheuen, um die Besucher zu bespaßen. Als ich die Messe um 19.30 Uhr verlasse, sind die Hallen noch ordentlich gefüllt. Fritz Kola trinkt nun keiner mehr, Becks heißt das Getränk der Wahl. Die meisten werden dann vermutlich auch noch später auf einer der zahlreichen Messeparties versacken. Wie es sich für ein ordentliches Klassentreffen gehört. Ich bin zufrieden mit dem Tag, die Messe hat ihren Zweck erfüllt. Ein paar Dinge könnte man wie oben beschrieben mit Sicherheit optimieren. Mal sehen, was die DMEXCO 2012 so bringt.
P.S.: Eine traurige Nachricht erreicht im Laufe des Tages die Messe-Besucher. Mit Robin Meyer-Lucht ist vor wenigen Tagen einer der renommiertesten Blogger des Landes verstorben. Im Namen der netzstrategen und von relevantmedianow möchten wir unsere Trauer zum Ausdruck bringen und den Hinterbliebenen alles Gute und viel Kraft wünschen. Robin Meyer-Lucht hat mit Carta Pionierarbeit geleistet. Er wird Digitalien sehr fehlen.
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